SAP bietet 2,5 Mrd. Euro für Success Factors
Schneller in die Cloud
Offenbar unzufrieden mit dem mäßigen Erfolg ihrer Cloud-Lösung Business By Design, bietet die SAP AG rund 2,5 Mrd. Euro für die Übernahme von Success Factors, einem Pionier cloud-basierter Personallösungen.

Vorstandssprecher Bill McDermott will SAP zum „Cloud-Powerhouse“ machen
Der Verwaltungsrat von Success Factors hat der Transaktion einstimmig zugestimmt. Nicht zuletzt, weil die angebotenen 40 Dollar pro Aktie einer Prämie von 52 Prozent auf den aktuellen Wert der Aktie entsprechen. SAP will mit dem hohen Preis von insgesamt rund 3,4 Mrd. Dollar wohl auch befürchtete Konkurrenzangebote sehr teuer machen.
Hintergrund: Mit Business By Design gewinnt SAP nur langsam neue Kunden; gestern wurde noch einmal die frühere Aussage bestätigt, dass man bis zum Jahresende 1.000 Kunden überzeugen werde. Andererseits investiert Erzrivale Oracle kräftig ins Cloud Computing und hat erst im Oktober für 1,5 Mrd. Dollar den CRM-Anbieter Rightnow erworben. Dessen Erzrivale Salesforce.com wiederum erwartet im laufenden Geschäftsjahr 2012 rund 2,26 Mrd. Dollar Umsatz, der im nächsten Geschäftsjahr auf 3 Mrd. Dollar wachsen soll.
Das Wachstum ankurbeln
Von solchen Wachstumsraten der Cloud-Pioniere kann SAP nur träumen – natürlich auch, weil solch ein Wachstumstempo für ein zehnmal größeres Unternehmen viel schwieriger ist. Einen Beitrag dazu soll jetzt die jüngste Akquisition leisten, nachdem SAP bereits mit den Übernahmen von Sybase und Business Objects in der jüngeren Vergangenheit vom konsequenten Kurs des organischen Wachstums abgekehrt war. Im Oktober 2007 liessen sich die Walldorfer den Kauf von Business Objects, einem Software-Anbieter zur Analyse von Geschäftsdaten, rund 4,8 Mrd. Euro kosten, im Mai 2010 folgte mit Blick auf mobile Lösungen die Übernahme von Sybase für 4,6 Mrd. Euro.
Success Factors, vor fünf Jahren mit einem Aktienkurs von 10 Dollar an die Börse gegangen, erzielt heute laut SAP mehr als 80 Prozent des neuen Umsatzes mit Applikationen, die damals noch gar nicht existierten. Das 2001 gegründete kalifornische Unternehmen mit Hauptsitz in San Mateo beschäftigt rund 1.450 Mitarbeiter, die mehr als 3.500 Kunden in 168 Ländern bedienen und in den ersten neun Monaten 2011 ein Umsatzwachstum von 59 Prozent schafften. Im Jahr 2010 schafften die Kalifornier rund 206 Mio. Dollar Umsatz, bei einem Nettoverlust von 12,5 Mio. Dollar.
Durch die Akquisition, die im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden soll, will Vorstandssprecher Bill McDermott das Cloud-Angebot der SAP durch das Personal und die Technologie von Success Factors erweitern und die Stellung als Anbieter von Cloud-Lösungen, -Plattformen und -Infrastruktur stärken. „Wir werden dadurch ein Cloud-Powerhouse erschaffen“, sagte McDermott gestern in einer Telefonkonferenz.
Success Faktors bleibt eigenständige SAP-Tochter
Die zugekauften Lösungen sollen aber auch das Angebot der SAP im Personalwesen ergänzen, insbesondere natürlich die Cloud-Suite Business By Design und die branchenspezifischen Cloud-Applikationen für Großkonzerne wie etwa SAP Sales on Demand. Bereits heute gibt es nach Formenangaben 15.000 Implementierungen von SAP Human Capital Management (HCM) bei SAP-Kunden für insgesamt mehr als 500 Mio. Mitarbeiter.
Lars Dalgaard, dänischer Gründer und Vorstandsvorsitzender von Success Factors, verweist auf 15 Mio. Subskriptionsanwender und die damit derzeit wohl größte Anzahl an zahlenden Cloud-Nutzern. Gemeinsam mit SAP entstehe „eine revolutionäre Kombination aus bewährten Kompetenzen, die es Success Factors erlaubt, die Produkt-Roadmap um zehn Jahre zu beschleunigen.“ Success Factors soll eine selbständige Tochter unter der Führung von Dalgaard bleiben, der zudem in den SAP-Vorstand aufrücken soll.
Dalgaard will die Beziehungen zu den 176.000 SAP-Kunden ausbauen. Man könne ihnen sehr schnell Mehrwert und benutzerfreundliche Anwenderoberflächen auf mobilen Endgeräten sowie im Internet anbieten anbieten; es gebe bereits erfolgreiche Implementierungen von Success Factors-Lösungen bei SAP-Kunden in verschiedenen Branchen.
Bildquelle: SAP AG
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