Legacy-Anwendungen
Make AND Buy!
Spätestens dann, wenn größerer fachlicher oder funktionaler Änderungsbedarf an einer Legacy-Anwendung entsteht, lohnt es sich zu überlegen, ob tatsächlich weiter in die Eigenentwicklung investiert oder auf eine Standardsoftware umgestiegen werden soll.

Doch die Antwort auf die Frage, nach welchen Kriterien eine solche Entscheidung gefällt werden sollte, ist vielschichtig und nicht allumfassend zu beantworten. Vielleicht kann man auch deshalb in den letzten Jahren im deutschen Mittelstand beobachten, dass mehr und mehr Unternehmen sich ganz gezielt für einen Mix aus Standardpaketen, Branchenlösungen und Eigenentwicklungen entscheiden – und nicht für ein rigides „Entweder-Oder“. Und dies nicht ohne Grund.
Die Standardanwendungen machen immer dann betriebswirtschaftlich Sinn, wenn es um Software für Bereiche im Unternehmen geht, die branchenübergreifend und nicht differenzierend im Wettbewerb sind, also meistens im Bereich Personal oder Finanzen. Hier gibt es regelmäßig massive gesetzliche Änderungen, die für viel Geld nachimplementiert werden müssen. Diese Kosten können durch die gemeinsame Nutzung von Software auf mehrere Unternehmen sinnvoll verteilt werden.
Hält ein Unternehmen noch keine eigene Entwicklungsmannschaft vor, so ist natürlich sehr zu überlegen, ob eine Eigenentwicklung wirklich sinnvoll ist. Verfügt es jedoch über ein kleines, schlagkräftiges Entwicklerteam, so ist es gut beraten, diesen „Schatz“ zu hegen und zu pflegen.
Solche Teams sind sehr häufig anzutreffen. Denn gerade zur Differenzierung im Wettbewerb stellen Individualsysteme einen unschätzbaren Wert dar. Speziell Firmen, die mit mehreren Anbietern gleichartiger Güter oder Dienstleistungen konkurrieren, können Wettbewerbsvorteile durch die Implementierung intelligenter und ihrer Zeit vorauseilender „Maßanzüge“ in Form von Individualanwendungen schaffen.
Doch Software selbst zu entwickeln, ist eine große Herausforderung und Verantwortung gleichermaßen – und das nicht nur für das IT-Management. Denn nur wenn es gelingt, das Entwicklerteam fachlich-prozesstechnisch, personell und in den Belangen einer zeitgemäßen Software-Entwicklung fortlaufend up to date zu halten, lohnt sich dieser Invest.
Gerade das Nachwuchsproblem bereitet da vielen Personalabteilungen in den heutigen Zeiten Sorgen. Und leider müssen auch viele Firmen konstatieren, dass sie in den letzten zehn Jahren zu wenig Augenmerk auf die nachhaltige technologische Modernisierung und personelle Verjüngung gelegt haben, speziell im Umfeld von IBM i. Die Maschinen liefen ja auch immer so problemlos, fielen kaum auf – und selbst die Kosten waren stabil oder gar rückläufig, dank günstigerer Hardware und ausgereifteren Anwendungen. Die Rechnung für diese Versäumnisse kann im laufenden Jahrzehnt so hoch werden, dass tatsächlich komplett auf Standardsoftware gewechselt werden muss, mit allen Folgen.
Glück für all jene Firmen, die eine strategische Betrachtung der Eigenentwicklung schon seit Jahren in ihrer IT-Strategie berücksichtigt haben und für die Zukunft gut aufgestellt sind. Ihnen bieten sich große Chancen, die Vorteile einer Eigenentwicklung weiter auszuschöpfen und sie gleichzeitig mit den Vorteilen von Standardsystemen oder Branchenlösungen zu paaren. Eine große Erleichterung dabei bieten die heutzutage sehr einfachen und standardisierten Möglichkeiten zum Datenaustausch und -abgleich auf Basis von Webserviceschnittstellen, XML oder SQL, um nur einige zu nennen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Heutzutage kommt es darauf an, Standardkomponenten und Individualsysteme zu koppeln. Hierzu braucht es eine gute Integrationsplattform (wie IBM i es ist), moderne Entwicklungsumgebungen (wie den Rational Developer for Power) und ein motiviertes Team. Denn jede Software kann immer nur so gut sein wie die Menschen, die damit arbeiten, und die Prozesse, die sie leben.
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