Software-Wartung noch bis 30. September 2012 zu kaufen
IBM lässt V5R4 langsam ausklingen
Schon mehrfach hat IBM das Ende des Betriebssystems OS/400 Version 5 Release 4 angekündigt – und dieses Ende dann herausgezögert. Mit der Ankündigung, dass die IBM i 5.4 Software Maintenance (SWMA) nur noch bis zum 30. September erhältlich ist, rückt dieses Ende ein Stück näher.

Konkret bedeutet die Ankündigung, dass IBM den offiziellen Support für das Betriebssystem OS/400 V5R4 am 30. September 2013 einstellen will, denn bis September diesen Jahres kann man noch einen Wartungsvertrag mit einjähri-ger Laufzeit abschließen. Abzusehen war dieses Ende bereits seit Februar 2009, als V5R4 zum ersten Mal vom Vertrieb zurück gezogen werden sollte. Das damals angekündigte Datum 5. Januar 2010 wurde zweimal nach hinten verschoben, bis dann am 27. Mai 2011 der Verkauf endgültig gestoppt wurde.
Das Ende des offiziellen Supports, dessen Ankündigung seither erwartet worden ist, bedeutet aber nicht zwingend das Ende für den Einsatz dieses seit dem 14. Februar 2006 erhältlichen Betriebssystems, an dem viele IBM-Kunden aus unterschiedlichen Gründen immer noch hängen. Denn es gibt bereits ein „Statement of Direction“, dass es auf jeden Fall eine noch nicht näher spezi-fizierte Service-Verlängerung geben wird, mit der sich Kunden noch weitere Zeit kaufen können, die den Umstieg bis dahin nicht schaffen. Sicher scheint nur, dass die Service-Verlängerung deutlich teurer sein wird als die normale Wartung und dass es keine neue Funktionalität mehr in V5R4 geben wird.
Eigentlich hat jedes Release des AS/400-Betriebssystems einen klar festgelegten Lebenszyklus. Das Ende des Supports wird normalerweise zwölf Monate vorab angekündigt. Danach gibt es auch nur noch für einen befristeten Zeitraum Upgrade-Pfade auf die Folge-Releases, Vom Release V5R2, das IBM seit Ende April 2007 nicht mehr wartet, gibt es seit Mai 2011 keine Upgrade-Pfade mehr, während für das im April 2009 aus der Wartung genommene Release V5R3 immer noch der Weg auf IBM i 6.1 offen steht. Ein Upgrade von V5R3 auf V5R4 ist dagegen nicht mehr möglich, da IBM dieses Release schon seit Juni 2011 nicht mehr anbietet. Die Upgrades V5R4 auf die beiden Folge-Release IBM i 6.1 und 7.1 sind noch nicht abgekündigt worden.
Der IBM i Chief Architect Steve Will weiß genau, dass manche Kunden für die Planung des Abschiedes von V5R4 viel Zeit brauchen. „Mit dieser Ankündigung geben wir unseren Kunden und Partnern mehr als 19 Monate, um die Einführung eines aktuelleren Releases zu planen und umzusetzen“, schreibt Will in seinem Blog. Bereits heute gebe es mehr Kunden, die IBM i 7.1 nutzen, als seinerzeit 21 Monate nach der Einführung von IBM i 6.1 damit gearbeitet hätten. Das sei auch möglich, weil Kunden, die sich von V5R4 verabschiedet haben, die Option des direkten Upgrades auf IBM i 7.1 gewählt und den Zwischenschritt über i 6.1 ausgelassen hätten.
Insgesamt wird V5R4 also mehr als sieben Jahre nutzbar sein und damit etwa doppelt solange wie normal (drei oder vier Jahre). Das hat einen guten Grund, denn die notwendige Programmkonvertierung hält manche Kunden noch von i 6.1 oder 7.1 ab. Sei es, weil ihre Software nicht auf i 6.1 läuft, weil deren Hersteller es bisher nicht für sinnvoll hält, weil es eine Eigenentwicklung ist und die Notwendigkeit nicht gesehen wurde oder weil der Softwarehersteller gar nicht mehr existiert. Es kann aber auch sein, dass der Software-Wartungsvertrag gekündigt worden ist oder ein altes Release im Einsatz ist – und der Hersteller für viel Geld dafür verlangt, dass der Kunde die Voraussetzungen für die Migration schaffen kann.
„Die größte Hürde auf dem Weg zu i 6.1 sind die Kosten für Versionen der Software mit Observability“, weiß der amerikanische AS/400-Experte Jon Paris. Oft seien es nur ein oder zwei wichtige Programme, die den Kunden vom Umstieg abhalten, weil er die Observability (noch) nicht erstellt hat. Es sei zwar durchaus gerechtfertigt, dass ein Softwarehaus für deren Bereitstellung Geld verlange, doch manches Mal würden die angesichts der Zwangslage des Kunden verlangten Preise an modernes Raubrittertum erinnern.
Chefarchitekt Will hat zwei weitere gute Argumente für die Ankündigung. Jetzt, wo das Ende des Service in Sicht sei, könnte so mancher zögernde Software-hersteller endgültig motiviert werden, auf aktuellere Betriebssystemversionen umzusteigen. Außerdem brauchen seiner Meinung nach viele IT-Chefs, die mit ihrer aktuellen V5R4-Lösung zufrieden sind, ein definitives Datum für das Ende Supports des Betriebssystems, um ein Upgrade durchzusetzen. Die Verbesserungen der Nachfolger, wie zum Beispiel die zeilenweise Verschlüsselung der Datenbanken, Support für Image-Management oder die höhere Performance, reichen dafür als Argumente nicht immer aus.
http://www-03.ibm.com/systems/de/power/
Die IBM-Roadmap der Betriebssystem-Lebenszyklen
Bildquelle: IBM
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