26.09.2011
Unternehmen
Von: Berthold Wesseler

DCW-Anwender kämpfen um den Status Quo

Geplanter Steeb-Verkauf schlägt Wellen

Und wieder grüßt das Murmeltier: DCW-Anwender fühlten sich am 16. September in das Jahr 2003 versetzt, als SAP aus heiterem Himmel die Übernahme ihres Software-Anbieters bekannt gab. Denn jetzt will SAP ihre Tochter Steeb, zu der DCW heute gehört, wieder verkaufen.


Auf der Hut: Das Murmeltier – dem wie den DCW-Anwendern Einiges bekannt vorkommen dürfte

An diesem Freitagmorgen mussten die langjährigen Kunden den erneuten Wechsel des Eigentumsverhältnisses bei ihrem Software-Lieferanten aus der Zeitung erfahren. Zuvor hatte nichts auf diese grundlegende Veränderung hingedeutet. Nicht einmal für Ingo Junker, der als Leiter des DCW-Anwenderkreis bei Common Deutschland sehr eng mit Steeb und Mutter SAP zusammenarbeitet. Ein solcher Verkauf betrifft ja alle DCW-Anwender, die ja dadurch auch Steeb-Kunden sind.

„Zeitgleich mit der Presseveröffentlichung wurde auch der Common-DCW-Anwenderkreis über die zur Zeit stattfindenden Vertragsverhandlungen mit der All for One Midmarket AG informiert“, schreibt Junker jetzt nach einem Informationsgespräch mit dem Topmanagement von Steeb an die Mitglieder des Arbeitskreises. Er kämpft mit den anderen DCW-Anwendern darum, den mühsam erarbeiteten und vertraglich fixierten Status Quo sowie die zugesicherten Perspektiven für die Weiternutzung und Weiterentwicklung der DCW-Software im zugesagten Umfang zu erhalten.

„Diesen Status wollen wir auf keinen Fall verschlechtern oder verlieren“, so Junker. „Dies gilt selbstverständlich auch für die rechtlichen und kaufmännischen Rahmenbedingungen.“ Auch aufgrund der schlechten Erfahrungen mit SAP aus den Jahren der DCW-Übernahme im Hinblick auf die Beachtung und Wahrung von Kundeninteressen, sei zweierlei erforderlich. Zum einen wolle man „genauere Informationen über unsere Situation als DCW-Kunden betreffenden, relevanten Vorhaben im Zuge des Verkaufs“, zum anderen wolle man aber auch „unsere berechtigten Interessen, Forderungen und alternativen Möglichkeiten den Vertragsparteien gegenüber klar zum Ausdruck zu bringen“.

Schon in den Jahren 2003 und 2004 haben die DCW-Anwender sich gemeinsam im Anwenderverein Common erfolgreich gegen SAP-Pläne gewehrt, die ursprünglich eine kurzfristige Einstellung von DCW-Entwicklung und -Support vorsahen. Erreicht wurde eine vernünftige Pflege und Weiterentwicklung der Software, die aktuell bis mindestens Ende 2014 vertraglich zugesichert ist. Die anfänglichen Beziehungsprobleme wurden erst überwunden, nachdem Dr. Wolfgang Kemna Anfang 2004 die Geschäftsführung der beiden SAP-Töchter Steeb und DCW übernommen hatte, die dann Anfang Juli 2004 fusioniert wurden.

Der heutige Steeb-Geschäftsführer Dr. Alexander Arnold, der Kemna Anfang 2007 abgelöst hatte, hat Junker jetzt kurzfristig ein weiteres Gespräch gemeinsam mit Entscheidungsträgern beider Seiten – sowohl Käufer als auch Verkäufer – versprochen. „Wir werden Sie bezüglich der weiteren Entwicklung auf dem Laufenden halten und unsere gemeinsamen Interessen weiterhin deutlich vertreten“, verspricht Junker den Mitgliedern des DCW-Anwenderkreises. Und falls sich die DCW-Anwender in einer Zeitschleife befinden, ist zu hoffen, dass sich auch das Happy End wiederholt – und nicht ein Alptraum wahr wird.

www.common-d.de

Bildquelle: Pirmin Nohr/Pixelio.de


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